Eine der größten Herausforderungen für Krebspatienten ist der Umgang mit den Nebenwirkungen ihrer Therapie, insbesondere mit dem Haarausfall. Immer mehr Patienten greifen zu Biotin, einem Nahrungsergänzungsmittel, das für seine potenziellen Vorteile beim Haarwachstum und brüchigen Nägeln beworben wird. Doch dieser vermeintlich harmlose Ergänzungsstoff könnte ernsthafte Auswirkungen auf die Krebsbehandlung haben.

Biotin: Ein Überblick

Biotin, auch bekannt als Vitamin B7, ist ein wichtiger Nährstoff, den der Körper benötigt, um Proteine wie Keratin zu bilden, ein entscheidender Bestandteil von Haar, Haut und Nägeln. Ein Mangel an Biotin ist selten, da es in vielen Lebensmitteln wie Obst, Gemüse, Fleisch, Eiern und Milchprodukten vorhanden ist.

Die Risiken von Biotin-Nahrungsergänzungsmitteln

Obwohl viele Menschen annehmen, dass Biotin-Nahrungsergänzungsmittel unbedenklich sind, ist die Realität, dass sie die Ergebnisse von Blutuntersuchungen verfälschen können. Dr. Dumage, eine Expertin auf diesem Gebiet, erklärt, dass mehr als die Hälfte der Patienten, die zu ihr wegen Haarausfall kommen, ein solches Supplement eigenständig begonnen haben. Sie haben dazu oft Informationen online oder durch Empfehlungen erhalten.

Biotin kann die Ergebnisse von Tests für Prostata-, Schilddrüsen-, Eierstock- und Brustkrebs maskieren. Einige Labortests basieren auf chemischen Reaktionen, die Biotin involvieren. Wenn Patienten Biotin einnehmen, können die Ergebnisse fälschlicherweise zu hoch oder zu niedrig ausfallen, was zu einer Verzögerung oder Änderung der Behandlungspläne führen kann.

Wie Biotin die Hormonwerte beeinflusst

Biotin selbst verändert die Hormonspiegel im Körper zwar nicht, hat jedoch Einfluss auf die Art und Weise, wie diese Werte überprüft werden. So kann Biotin beispielsweise die Spiegel des prostataspezifischen Antigens oder des schilddrüsenstimulierenden Hormons fälschlicherweise senken. Dies kann bei Krebspatienten, die sich von einer Erkrankung erholen, dazu führen, dass eine Krebsrückkehr maskiert wird. Darüber hinaus kann es auch die Werte von reproduktiven Hormonen wie Östrogen und Testosteron fälschlicherweise erhöhen, was zu einer Verzögerung der Therapie führen kann.

Ein weiteres Risiko besteht darin, dass nicht alle Blutuntersuchungen im Voraus geplant sind. Daher ist es möglicherweise nicht möglich, die Biotin-Einnahme für diese Tests auszusetzen. Auch die Troponin-Werte, ein Marker zur Diagnose von Herzinsuffizienz, können durch Biotin beeinflusst werden, ohne dass der Patient darauf vorbereitet ist.

Alternativen zu Biotin

Angesichts der Risiken, die mit der Einnahme von Biotin verbunden sind, empfehlen Experten wie Dr. Dulmage, auf sicherere Alternativen zurückzugreifen. Für Patienten, die an Haarausfall leiden, ist Minoxidil eine bewährte Option. Es ist sowohl effektiv als auch sicher, abgesehen von schwangeren oder stillenden Frauen. Minoxidil ist von der U.S. Food and Drug Administration (FDA) zur Behandlung von Haarausfall zugelassen und in verschiedenen Formen wie Lotionen oder Schäumen erhältlich.

Fazit

Wenn du über die Einnahme von Biotin-Nahrungsergänzungsmitteln nachdenkst, insbesondere im Zusammenhang mit einer Krebsbehandlung, ist es ratsam, dies mit deinem Arzt zu besprechen. Die Risiken der Interferenzen mit diagnostischen Tests können schwerwiegende Konsequenzen für deine Therapie haben. Achte darauf, informierte Entscheidungen zu treffen, die deine Gesundheit und dein Wohlbefinden fördern.


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